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Elsass. Wo der Zander am
liebsten im Riesling schwimmt.
Lesen
- Erleben - Genießen - Reisen - mit allen Sinnen
Petra van
Cronenburg: Elsass. Wo der Zander am liebsten im Riesling schwimmt.
ELSASS
FÜR GOURMETS
Schon in
meiner Kindheit, die ich im Badischen verbrachte, galt das Elsass als ein Paradies, was
Essen und Trinken anbelangte. Drüben, über dem Rhein, da lag das gelobte Land, in dem
einfach alles besser schmeckte, wo man sich mehr Zeit lassen durfte, wo man bei Essen
reden konnte. Außerdem klang das, was man genüsslich auf der Zunge zergehen ließ,
einfach viel melodischer.
So wuchs
ich auf zwischen Entrecôte und Schnitzel. Ich war noch lange nicht in der Schule, da
wurde meine Zunge durch Tarte Flambée geprägt. Wo sonst gibt es ein Ritual für
mindestens drei Generationen an einem Tisch, bei dem man mit den Fingern essen darf und
auf die Papiertischdecke malen? Und dann diese herrlich bauchigen Kugelflaschen mit der
sonnengelben Limonade. Wir schwärmten davon wie die Erwachsenen vom Wein. Jahrzehnte
später sind wir auch von Stuttgart aus zu einem Essen ins Elsass gefahren... um endlich
wieder in Ruhe und Andacht genießen zu können.
Jetzt
erlebe ich das Land von "innen", schimpfe wie meine Freunde über die Touristen,
die uns die Preise kaputt gemacht haben. "Ach ist das billig bei euch!" - das
darf man eben einem gefitzten Elsässer Geschäftsmann nicht sagen. Es kamen zu viele, die
ihre Mark in all die vielen kleinen Francs umrechneten und mit dem Geld um sich warfen.
Jetzt haben wir auf beiden Seiten den Euro und jetzt fallen wir wie die Raben in deutschen
Gaststuben ein. Denn inzwischen ist es in der Pfalz und im Badischen billiger. Wir werden
uns jedoch hüten, das laut zu sagen!
Viel hat
sich in all den Jahren in der elsässischen Küche verändert. Früher einmal war die
elsässische Küche eine einfache Bauernküche für hart arbeitende Menschen. Man hat sich
nach den Jahreszeiten ernährt und der Luxus bestand darin, dass man die selbst erzeugten
Produkte zu Feiern mal in einen Teigmantel steckte, mal anders kombinierte. Heute besteht
der Luxus darin, überhaupt noch authentische elsässische Küche zu bekommen. Und noch
rarer und wertvoller geworden ist das, was diese Küche ausmacht: Natürlich gewachsene,
unverfälschte Nahrungsmittel ohne künstliche Zusätze. Ein Schwein, das noch frei über
Vogesenwiesen rennen kann, wird mit Gold aufgewogen.
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| Vielerorts ist die elsässische
Küche verkommen. Wo es zu touristisch wurde, endeten Festessen wie Choucroute als billige
Schlachtplatte, wie man sie von Bayern bis Bangkok an deutsche Urlauber verkauft. Gekocht
wird in vielen Restaurants, was das Klischee verlangt. Wirklich alte elsässische
Spezialitäten, wie Baeckeoffe oder Zander im Riesling hat man noch vor wenigen Jahren
wirklich suchen müssen. Aber das ist auch kein Wunder, denn die Elsässer selbst haben so
an das selbst gezimmerte Klischee geglaubt, dass sie die eigenen Küchenschätze
vergaßen. Wie anderswo auch steht in vielen Familien die Mikrowelle, hält convenience
food Einzug in Haushalte und Restaurants.
Das
Revival kam von einigen Nobelköchen. Irgendwann war die Nouvelle Cuisine out. Warum im
Elsass Dinge essen, die man in ganz Frankreich bekommt und in anderen Ländern auch? Ein
paar haben sich besonnen auf die alten natürlichen Zutaten, das Wissen um Jahreszeiten,
günstige Erntezeiten, das Unverfälschte. Und sie haben experimentiert. Das schwere,
fettreiche Essen leichter gemacht für Menschen, die sich weniger bewegen. Das Deftige
abgespeckt und erfreulich fürs Auge angerichtet. Mit neuen Kombinationen alter
Traditionen probiert.
Das hat
Einzug gehalten in den Küchen. Die Elsässer schätzen wieder ihre eigenen Traditionen,
besinnen sich wieder auf die so internationalen Wurzeln einer unverwechselbaren Küche. Es
wird eben gekocht, was gegessen wird. Warum sich Mühe geben, wenn der Gast alles schluckt
und schon gar keinen Geschmackssinn mehr hat, weil er selbst daheim in künstlichen Aromen
schwelgt? Zum Glück gibt es aber immer mehr Gäste, die Küche und Kultur zu schätzen
wissen. Vielleicht - weil das Geld auf beiden Seiten des Rheins nicht mehr locker sitzt -
macht man sich mehr Gedanken um Qualität. Wer einmal von einem freilaufenden Hahn und
frischen Wiesenchampignons einen Coq au Vin zubereitet hat - oder im Winter statt
wässrigen Treibhaus-Erdbeeren den naturgetrockneten Früchten ihr Sommeraroma entlockte -
der weiß, von was ich rede.
Über die
Küche lernt man viel über die Kultur eines Landes kennen. Durch Essen und Trinken findet
Austausch über alle Grenzen hinweg statt... Das Europa jenseits der Supermarktpaletten
kann so vielfältig sein. Deshalb ist es auch so faszinierend, wie sich die Grenzländer
und das Elsass kulinarisch gegenseitig inspirieren!
(c) by
Petra van Cronenburg, all rights reserved |
Meine
ganz persönlichen Rezepte finden Sie in meinem Buch:
Elsass.
Wo der Zander am liebsten im Riesling schwimmt.
Standards
wie Choucroute, Baeckeoffe oder Kugelhopf finden Sie in eigener Weise zubereitet, es kam
mir aber vor allem darauf an, traditionelle, oft vergessene Schätze zu heben wie
Wildschwein mit Hagebuttensauce, Zander mit Sauerampfer, Lindenblütenbowle oder
Hirschhörnle und Mandeltarte... |
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