Blaue Fluchten

Petra van Cronenburg: Blaue Fluchten, edition tetebrec
Literarische Kurzgeschichten mit Fotonotizen

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Die Französin Odile pflegt ein skurriles Ritual mit Veilchenlikör, als die verdrängte Realität in ihr Haus einzubrechen droht. Marja findet ungeliebte Kinderschürzchen im Keller und eine Namenlose fälscht mit Wollust Ikonen. In Polen rennt eine Frau dem Tod davon und eine andere hört das seltsame Singen von Schienen. Manchmal scheinen die Menschen in den Städten in ihrer Hektik zu zerfasern - und manchmal weht sie der Hauch geheimnisvoller Urgründe an.

Eine seltsam tönende Brücke, ein grell beleuchteter Kreisverkehr, eine Treppe im Dunkel – die Protagonistinnen dieser literarischen Kurzformen gehen allesamt unbekannte Wege. Längst sind ihre eigenen Wurzeln brüchig geworden. Zeitgeschehen oder Vergangenheit drohen sie einzuholen: ob in Paris oder Warschau, der Schweiz oder Deutschland, im unseligen Dorf T. oder fernab von Amerika.
In den „Etüden über das Leben im Zwischenraum“ erklingt Sprache wie Musik, verschmelzen Form und Inhalt von der notizenhaften Miniatur bis zur Kurzgeschichte. Oft von feiner Melancholie, immer liebevoll stellen sich die Menschen in diesen Geschichten mutig unvorhergesehenen Umbrüchen. Sie denken quer und fühlen tief.

Technische Details

Petra van Cronenburg: Blaue Fluchten
edition tetebrec, 2014
Elf literarische Kurzgeschichten mit acht Fotonotizen
exklusiv als E-Book: Kindle / ab 2015 auch als epub
etwa 66 S. + 8 Farbfotos
kein DRM

Zitate aus dem Buch
"Sechs Jahre nur – und alles was ihr vertraut schien, war zusammengeschrumpft und in diesen verrückten Strudel geraten. Da draußen krakeelte eine Welt, die Odile sonst jenseits des Abflusses vermutete, in den stinkenden Tiefen der Kanalisation. Sie verbreiteten sich in diesem heißen Herbst wie ein Virus im Land. Nur nicht meine Fensterscheibe, betete Odile, nur keinen direkten Kontakt!"

"Wenn dieser Film je Bilder zeigen wird, haben sie sich stumm eingebrannt ins Zelluloid, ohne Worte. Plötzlich sind sie doch noch da, die Bilder, die ein Feuer überlebt haben und scheinbar hundert Jahre. Zunächst scheinen nur die Sengspuren und Wasserschlieren geheimnisvolle Muster zu bilden. Die Brandränder weichen einer farblosen Sonne. Licht besteht aus Nichtbild, leere Fläche blendet noch das Leben aus. Blass, zitternd, nur schemenhaft tauchen die ersten Bilder auf. Mit jedem Zentimeter Film verdichtet sich die bewahrte Erinnerung und du weißt – kein Feuer dieser Welt wird sie dir je wieder ausbrennen können. Vielleicht wird das Material verblassen, aber du wirst es behalten, solange du bist."

"Was vor der Überfahrt war, das sei nur noch memory, sagte er, memory which will be lost, weil wir die Sprache vergessen. Wir hören das nicht mehr richtig, English in the ear. ... Ich hätte gern all die Koffer geöffnet, als sie noch gefüllt gewesen waren. Als sie noch reden konnten, noch sendeten."

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