Hammer Printing

Das Druckverfahren

Wie vieles in der Welt des Art Journaling und der Künstlerbücher ist das folgende Druckverfahren eher unter dem englischen Namen Hammer Printing bekannt. Auf Deutsch würde man umständlich sagen: Pflanzendruck durch Hämmern. Es gibt unterschiedliche Pflanzendruckverfahren, je nachdem, ob man chemisch anlöst, Licht benutzt oder einfach nur ein Werkzeug.

Es handelt sich um ein sehr primitives und daher einfaches Druckverfahren, das womöglich schon in Urzeiten angewandt wurde. Denn so, wie der Mensch herausfand, dass sich Farbstoffe aus der Natur durch Verreiben auftragen lassen, kam man sicher auch bald auf die Idee, es mit hohem Druck zu versuchen, indem man z.B. mit Steinen auf Pflanzen hämmerte. Theoretisch braucht es nicht mehr: eine flache Unterlage, eine frische Pflanze und einen flachen Stein. Letzteren ersetzen wir durch einen Hammer mit flachem Kopf; bedrucken lässt sich alles, was die feuchten Pflanzenfarbstoffe aufnimmt.

Zutaten

  • Frische Pflanzenteile: Blätter, Blüten, Beeren (Giftiges und geschützte Pflanzen vermeiden)
  • Papier: säurefrei, relativ glatt, saugfähig, nicht zu dünn. Am besten eignen sich Papiere und Bütten für Wasser- und Aquarellfarben, die nicht zu grob gekörnt sind.
  • Ein Hammer: Der sollte wegen des Ermüdens nicht zu schwer sein. Je flacher die Schlagfläche, desto besser.
  • Ein glatter, flacher und fester Untergrund. Man kann auf einem dicken Brett auf dem Boden hämmern, aber auch auf Betonboden draußen - alles, was Hämmern verträgt, ist denkbar.
  • Eine Zwischenlage zwischen Papier und Untergrund. Dünner Filz, Vlies oder dickes Papier sind ideal - die Zwischenlage soll verhindern, dass sich der Untergrund durchdrückt, und Bewegungsspielraum geben, damit das Papier nicht reißt. Lässt man sie weg, können Prägeeffekte entstehen.
  • Eine Auflage für die Pflanzen. Ich benutze ein zweites Blatt Papier, andere nehmen Küchenrolle.

Wir haben also folgende Schichten von unten nach oben:

  • Untergrund / Boden
  • Zwischenlage
  • Papier
  • Pflanzenteile
  • Papier / Küchenrolle

Tricks:

Wenn ich für Art Journals oder Art Books Papier bedrucke, lasse ich gern die Zwischenlage weg und hämmere auf getrommelten Betonsteinen draußen. Das sind künstlich gealterte Betonsteine, wie man sie im Garten verlegt. Weil ihre Oberfläche rauh und unregelmäßig ist, entsteht gleichzeitig ein Prägedruck bis hin zu winzigsten Löchern. Das ergibt vor allem bei sehr weichen und dicken Papieren einen schönen Effekt. Sehr dünne und glatte Papiere können allerdings leicht reißen. Man kann also auch mit dem Untergrund experimentieren!

Wunderschöne Papiere erhalte ich mit Kaffeefiltern. Und weil Kaffee Papier künstlich altert, nutze ich für Zusatzeffekte grundsätzlich benutzte, ausgewaschene Kaffeefilter. Über den Kaffeesatz freuen sich Rosen, Geranien und andere Blütenpflanzen. Und ich habe weniger Müll!

Welche Pflanzen sich eignen, muss man ausprobieren. Nicht alles, was saftig und besonders farbig aussieht, enthält haltbare Pigmente. Und manchmal färben die dünnsten und feinsten Blätter am schönsten. Überraschungen machen den Reiz des Pflanzendrucks aus: Farben verändern sich bereits während des Druckprozesses, aber auch im Laufe der Zeit und unter Lichteinwirkung. Das fertige Papier am besten dunkel und trocken aufbewahren.

So wird es gemacht:

  1. Wir legen eine Zwischenlage auf den harten Untergrund (oder lassen sie weg, wenn wir Prägeeffekte im Papier haben wollen) - und platzieren darauf das Papier.
  2. Jetzt werden die Pflanzen möglichst flach so aufs Papier gelegt, wie wir den Druck haben möchten. Denn sie drücken sich ja an Ort und Stelle ins Papier.
  3. Nun brauchen wir einen Schutz zwischen Hammer und Pflanze. Ich benutze dafür ein identisches Blatt Papier, weil ich dann auf einen Schlag zwei Drucke habe. Für Anfänger kann das jedoch schwierig sein, weil man nicht mehr sieht, ob und wie man die Pflanzen mit dem Hammer trifft. Küchenrolle eignet sich gut, weil die Pflanzen sofort durchbluten und sichtbar werden - sie absorbiert aber leider auch viele Farbstoffe. Wer unsicher ist, kann es auch mit durchsichtiger Folie versuchen. Die verrutscht allerdings leicht und sollte mit Klebeband befestigt werden.
  4. Es wird gehämmert! Mit der Technik muss man ein wenig üben, bis man die richtigen Bewegungen und die Stärke herausfindet. Mein Tipp: Anfangs nicht zu stark zuschlagen (Pflanzen sind keine Nägel!) und das gesamte Papier in Bahnen abhämmern. Zuerst in Längsbahnen, dann in Querbahnen oder umgekehrt. Dadurch haften die Pflanzen und verrutschen nicht - und man kann ungefähr sehen, wo sie sich befinden. In der Folge hämmert man dann kreisend an den Stellen mit den Pflanzen - je saftiger sie sind, desto weniger Druck ist nötig. Und ja, dieses Druckverfahren braucht Geduld und kann schweisstreibend sein!
  5. Vorsichtig unter die Auflage schauen, ob die Pflanzen schon gut eingehämmert sind. Bei Küchenrolle sieht man es schon von oben, wenn sich alles durchgedrückt hat. Möglicherweise muss man sie erneuern, wenn ein weiterer Durchgang vonnöten ist.
  6. Dann die Auflage abnehmen.
  7. Das Papier - oder beide Papiere - gut trocknen lassen, am besten über Nacht.
  8. Erst wenn die überstehenden Pflanzenpartikel vollkommen getrocknet sind, kann man sie abziehen und / oder mit einer sehr weichen (Zahn)Bürste entfernen. Auch hier richten kreiselnde Bewegungen am wenigsten Schaden an. Würde man lose Pflanzenteile auf dem Papier belassen, würden diese sich mit der Zeit zersetzen.
  9. Den fertigen Pflanzendruck kann man den Veränderungen der Zeit überlassen oder mit einem UV-beständigen, matten Firnis für Acrylmalerei schützen. Lacke würden nicht nur die Papierstruktur, Haptik und Feinheit des Pflanzendrucks unschön verändern, sie können beim Art Journaling auch Seiten verkleben. Ein Profi-Firnis schützt die empfindlichen Pigmente am besten und vergilbt selbst nicht.